Die bunte Stadt an der Elde?

Ich komme aus einer Kleinstadt in Mecklenburg. Sie liegt direkt an der Elde. Und oft hat herrscht dort mehr der dörfliche Charme als der städtische. Ich habe dort gern gelebt. Nach der Wende blühte der Ort auf. Ein neues Museum, die Straßen wurden mehr und mehr erneuert ( wobei der alte Look erhalten blieb), es siedelten sich diverse Supermärkte an und eine Siedlung für Eigenheime enstand.

Rehberger Brücke

Weggezogen bin ich dennoch.


Dafür gab es mehrere Gründe:
1. Als Familie benötigt man in erste Linie ein Einkommen, welches für all die Köpfe ausreicht, die unter einem Dach wohnen. Mit einem Auto kommt man aber nicht weit. Also ging es in die Großstadt. Dort benötigt man fast nie ein Auto.
2. Man sagte immer: „Wer in Grabow bleibt, ist entweder alt, hatte Glück oder ist dumm oder alles gleichzeitig. So würde ich es zwar nicht unterschreiben, aber…
Dumm… hm… Ich weiß, welche Menschen gemeint sind. Im Laufe der 90er Jahre gab es immer wieder ein paar Jugendliche, die meinten, dass Ausländer an allem Schuld sind (oder Schwache; oder schwache Ausländer). Im Grunde ging es denen nur um einen Weg, anderen Menschen die Verantwortung für ihr eigenes Versagen in die Schuhe zu schieben.

Heute sind die 90er Jahre mindestens 20 Jahre her. Und neulich las ich in einem Thread auf Facebook, dass ein (ehem.) Asylbewerber wie vom Affen gebissen durch die Stadt rast. Es grenzt offenbar an ein Wunder, dass noch nichts geschehen sei. Als Vater von 4 Kindern gehen auch bei mir die Alarmglocken an. Gerade in so einer kleinen Stadt wie Grabow herrscht wenig Verkehr. Die gesteigerte Aufmerksamkeit einer Großstadt wird dort nicht gelehrt. Wofür auch?
Doch schnell ging es gar nicht mehr um die gefährliche Fahrweise des Mannes. Plötzlich hieß es, dass „Merkels Goldstücke“ ja offenbar viel Geld hätten. Ein anderer bemerkte, dass er ja arbeiten müsse und im Gegensatz zu unserern „Gästen“ könne er es sich nicht leisten, den ganzen Tag mit dem BMW herum zu fahren.

So ging das immer weiter. Tiefer in die Diskussion schauend las ich noch was von „weiße Kappe und Vollbart“ und „auf die Fresse“ und so weiter.
Mittlerweile wurde der Thread vom Admin der Gruppe gelöscht. Eigentlich schade, denn ich hätter gern noch Screenshots gemacht.

Was mich nun treibt, ist die Idee einer Party gegen unsere neuen Nazis.
Ja, ich spreche es so aus, wie ich sie sehe. Es ist nämlich genau das, was uns schon einmal in die Hölle gebracht hat: Hass, Aggressivität, Ignoranz, Verachtung, fehlende Empathie und schlechte Bildung. Es genügt eigentlich schon, wenn nur 2 dieser Punkte kombiniert werden.

Zurück zur Party.
Ich wohne seit 2006 nicht mehr in Grabow. Aber eine Feier, die explizit dafür organisiert wird, um zu zeigen, wie offen, tolerant und zukunftsgewandt meine Heimatstadt ist, würde ich gern besuchen. Oder soll ich sie mitorganisieren? Gern!

Der Slogan „Die bunte Stadt an der Elde“ soll wieder neue Farben bekommen. Die hasssähenden Menschen dürfen einfach nicht lauter sein als die, die jedem Menschen die gleiche Chance geben.

Ob ich jemanden mag oder nicht, liegt weder an seiner Nationalität noch an seiner ausgeübten Religion. Es liegt am Menschen selbst.
Wer anderen Schlechtes wünscht, weil sie „nicht von hier“ sind, ist für mich ganz klar ein Arschloch. Und genau in dieser Deutlichkeit wünsche ich mir ein Fest.

Lasst Grabow bunt und ruft es laut heraus: Keine Chance den Rechten!

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